Deutsche Bahn E-Ticket

Die Deutsche Bahn ist nicht nur ein Verkehrsmittel, sie ist auch Ärgernis und Sorgenkind, ein Symbol für Staatsversagen und ein Unternehmen, das viel verspricht und wenig hält. Als der Bundesverkehrsminister von Alexander Dobrindt hieß, da sollte RFID bei der Deutschen Bahn ganz groß rauskommen. Dobrindt wollte den Nahverkehr in Deutschland revolutionieren und vor allem alles einfacher machen. Fahrscheine aus Papier sollten schon bald der Vergangenheit angehören, denn RFID bei der Deutschen Bahn, das sollte laut Ministerium die elektronische Chipkarte sein. Jetzt heißt der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und das E-Ticket bei der Deutschen Bahn ist noch immer kein Thema.

Mit dem E-Ticket wird das Leben leichter

Stadt und Land, Fern- und Nahverkehr – alles ist mit einem Ticket, dem sogenannten E-Ticket möglich, versprach einst der Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Keine unterschiedlichen Zonen mehr, keine Regeln beim Umsteigen, die kein Mensch versteht und vor allem keine verwirrende Vielzahl an Tickets, die die Verkehrsverbünde überall im Land verkaufen. Eines haben der damalige und auch der heutige Verkehrsminister jedoch richtig erkannt: Der Nahverkehr in Deutschland ist höchst kompliziert und treibt jeden Tag viele Menschen fast in den Wahnsinn. Eine Vereinfachung muss her, beschloss jetzt auch Andreas Scheuer und übernahm den „Aktionsplan“ seines Vorgängers Dobrindt. Dieser Plan sieht RFID bei der Deutschen Bahn als E-Ticket vor. Diese elektronische Chipkarte sollen alle 370 Verkehrsunternehmen in Deutschland anerkennen, profitieren von diesem Ticket können 75 Prozent der Bevölkerung.

Viele weitere Funktionen


Wer die Deutsche Bahn kennt, weiß, dass dort selten etwas wie geplant läuft. Der Traum von Alexander Dobrindt vom E-Ticket, was die Deutschen davon abhält, mit dem Auto zu fahren, bleibt zunächst ein Traum. Dabei hatte der Minister für die Nahverkehrs-Chipkarte noch weitere tolle Pläne, beispielsweise die Buchung eines Mietwagens und das Bezahlen der Parkgebühren. Da stellt sich nur die Frage, warum ein sündhaft teures E-Ticket für den Nahverkehr kaufen, wenn letztendlich doch nur das Auto die Hauptrolle spielt. Dobrindt blieb dabei, das E-Ticket der Deutschen Bahn macht den Nahverkehr einfacher und nimmt die Lust aufs Autofahren. Andreas Scheuer, sein Nachfolger, sieht das offensichtlich genauso. Er geht mit seiner Planung noch weiter und hat ein sogenanntes „Check-in-Check-out-System“, kurz auch CICO im Auge, was es in anderen Ländern schon etwas länger gibt.

Wie funktioniert CICO?

Das CICO-System ist ein sehr einfaches System. Beim Ein- und Aussteigen wird das E-Ticket nur kurz gescannt, damit errechnet sich automatisch der Fahrpreis. Das Umsteigen wird mit CICO ebenso einfach, wie das Bezahlen der Fahrkarte. Nicht nur für die deutschen Fahrgäste der Bahn ist das CICO-System eine Erleichterung, auch für die vielen Besucher aus dem Ausland wäre das Bahnfahren um einiges einfacher. Für viele Urlauber, die nach Deutschland kommen, ist es beispielsweise verwirrend, wenn sie in einigen Städten ihre Fahrkarten entwerten müssen, in anderen Städten jedoch nicht. Das führt regelmäßig zu Verwirrungen und Problemen, die nicht selten in lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Bahnkunden und Bahnmitarbeitern enden. Die elektronische Chipkarte hätte alle Chancen, den komplizierten Nahverkehr in Deutschland endlich einfacher und auch attraktiver zu machen.

Das sagen die Datenschützer

In Deutschland haben es Neuerungen aller Art schwer. Kaum ist eine Neuerung im Gespräch, taucht mindestens einer auf, um die neue Idee schnell wieder schlecht zu reden. Das gilt auch für die elektronische Chipkarte, die das Bahnfahren einfacher machen soll. Sie ruft die Datenschützer auf den Plan, die in der digitalen Lösung sofort eine große Gefahr sehen. Durch das E-Ticket sei es möglich, ein genaues Bewegungsprofil des Fahrgastes zu erstellen, und da sei er wieder, der gläserne Mensch. Noch größer sind die Bedenken beim Bezahlen mit dem Smartphone. Dieses E-Ticket soll laut Aktionsplan von Alexander Dobrindt bei allen deutschen Verkehrsverbünden verfügbar sein. Das hat den großen Vorteil, dass jeder mit seinem Smartphone ganz bequem von unterwegs seine weiteren Fahrten buchen kann. In Düsseldorf ist das schon länger möglich, dort gibt es das kostenlose E-Ticket für Bus und Bahn aufs Smartphone schon, allerdings nur gegen Werbung.

Ein voller Erfolg

Der DB Navigator ist eine App, in der alle Verkehrsangebote in Deutschland gebündelt sind. Dieses Angebot wird gut angenommen, die Deutschen buchen jeden Tag über ihr Smartphone mehr als 30.000 Tickets. Die Bahn hat sich etwas einfallen lassen, um die App noch bekannter zu machen, und das hat sich ausgezahlt. Mit dem DB Navigator ist es zudem möglich, ein Wochenendticket, ein Länderticket oder das „Quer-durchs-Land-Ticket“ als E-Ticket zu buchen. Sogar einige der Verkehrsverbünde sind bereit, den Navigator zu integrieren. Das E-Ticket für Busse, S-Bahnen und Straßenbahnen im Verkehrsverbund Berlin und Brandenburg ist dabei, ebenso wie das E-Ticket für die MVV in München. Hier hat RFID bei der Deutschen Bahn einmal gezeigt, dass es etwas gibt, was bei der Bahn tatsächlich funktioniert.

In vielen Ländern üblich

Das, was der alte und der neue Verkehrsminister gerne in die Tat umsetzen wollen, ist in anderen Ländern schon lange eine Selbstverständlichkeit. Ein bekanntes Beispiel ist die Oyster-Card in London. Einfach ist das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln jedoch nicht nur in der englischen Hauptstadt. Das Gleiche gilt für viele andere englische Städte, sowie für Neuseeland und die USA. Überall dort sind die entsprechenden Chipkarten mit RFID-Funktion im Einsatz. In Australien geht man sogar noch einen Schritt weiter, denn dort gibt es bereits eine automatische Gesichtserkennung für alle, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen. In Deutschland ist das undenkbar. Das digitale System muss sich jedoch nicht nur auf die kleineren Nahverkehrsverbünde beschränken. Eine sehr gute landesweite Lösung gibt es in den Niederlanden mit der OV-Chipkaart. Hier wird beim Ein- und Aussteigen gescannt und der Fahrpreis wird automatisch vom E-Ticket abgebucht. In Israel gibt es ein ähnliches System, das Fahren mit Bussen, Zügen und Sammeltaxis im ganzen Land mit dem passenden E-Ticket möglich macht.

Fazit

Die Deutsche Bahn möchte viel und setzt bekanntlich nur wenig davon in die Tat um. Das gilt für die Pünktlichkeit der Züge und auch für einen einfachen Umgang mit dem Bahnticket. Der gute Wille vonseiten des Verkehrsministers ist da, aber mit der Umsetzung will es einfach nicht klappen. Noch gibt es die großen und kleinen Verkehrsverbünde, von denen jeder eine eigene Vorstellung vom digitalen Zeitalter hat. Die Technik ist mit RFID bereits vorhanden und so schwer kann es nicht sein, sie in die Tat umzusetzen.

Interessante Links zu diesen Thema:
https://rfidanalysis.org

Beitragsbild: depositphotos.com / 8173302@lightpoet

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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