Wie die Technologie unseren Alltag verändern könnte

RFID gilt als Zukunftstechnologie, die unser aller Leben verändern könnte. Was die wenigsten wissen: Bereits jetzt sind die zum Teil winzigen Funkchips, mit denen sich nicht nur Objekte aller Art, sondern auch Mensch und Tier ausstatten lassen, allgegenwärtig. Was einst lediglich Visionen waren, ist zur Realität geworden. Doch das Potential der einzigartig effizienten Funktechnologie ist noch immer enorm.

Theoretisch könnte bald jedes noch so kleine oder günstige Produkt mit einem RFID-Chip ausgestattet sein, der jederzeit eine Identifizierung und Lokalisierung zulässt. In diesem Artikel erfährst du, für welche konkreten Anwendungszwecke die Radio Frequency Identification schon heute genutzt wird und welche Möglichkeiten sich damit in der Zukunft ergeben.

Funkchips unter der Haut

War die Transplantation von Funkchips unter die Haut früher den Erzählungen von Science-Fiction-Büchern oder entsprechenden Verfilmungen vorbehalten, ist heute bereits Realität. In Wien muss seit 2004 jedem Hund ein Microchip unter die Haut transplantiert werden. Die darauf gespeicherte Nummer kann kontaktlos ausgelesen werden und verrät jederzeit seinen Besitzer. Seitdem gehört das Aussetzen von Haustieren in Österreichs Hauptstadt der Vergangenheit an. Auch die Kontrolle der korrekten Abführung der Hundesteuer ist so deutlich einfacher geworden.

Was beim Tier geht, das geht natürlich auch beim Menschen. Die RFID-Tags, die unter die Haut kommen, sind gerade mal so groß wie ein Reiskorn. Eine spezielle Spritze genügt zur Platzierung. Mit einem solchen Chip unter der Haut kann man sowohl auf das Portemonnaie als auch auf den Schlüssel verzichten. An der Kasse wird einfach das Handgelenk vor den Scanner gehalten. Gleiches gilt beim Funkschloss in der Haus- oder Bürotür.

Ohne Portemonnaie und Schlüssel aus dem Haus

Zugegeben, noch sind hierzulande und auch weltweit die wenigsten Menschen bereit sich einen Chip gleich in den Körper pflanzen zu lassen. Doch schon heute gibt es zahlreiche Anwendungsbeispiele, die die Vorzüge der Near Field Communication (NFC) beweisen. Zum kontaktlosen Bezahlen muss sich natürlich niemand einem körperlichen Eingriff unterziehen. Mittlerweile verfügen alle neuen Bank- und Kreditkarten gleich welchen Instituts über einen integrierten Funkchip. Auch Chips, die den Schlüssel ersetzen, sind längst Realität. Vor allem in Unternehmen, wo auf diese Weise spielend die Zugangsberechtigungen vergeben und gleichzeitig kontrolliert werden können. Aber auch immer mehr Neubauten setzen auf Funktechnologie.

Im Einzelhandel dienen RFID-Chips seit geraumer Zeit als Diebstahlschutz, insbesondere für hochwertigere Produkte. Vor allem in Modegeschäften sind die Chips in fast jedem Etikett eingearbeitet. Aber auch im Lebensmitteleinzelhandel sind die Chips auf dem Vormarsch. Ihr Preis ist mittlerweile so gering, dass es sich selbst für Güter mit nur kleinem Wert lohnt, die Chips in die Verpackung einzuarbeiten.

Supermärkte ohne Kasse

Sollte sich RFID flächendeckend durchsetzen, so wie seinerzeit der Barcode, dann könnte das den Einzelhandel revolutionieren. Statt die Waren auf ein Kassenband zu legen, könnten wir mit dem Einkaufswagen bald nur noch durch eine Schleuse fahren, die innerhalb einer Sekunde den gesamten Wageninhalt scannt und den Preis für den Einkauf vollautomatisch vom Bankkonto abbucht. Das würde den Verbrauchern Zeit und dem Ladenbetreiber Geld sparen. Kassierfehler könnten ausgeschlossen werden.

Was bei Marketingfachleuten zu leuchtenden Augen führt, ist für Datenschützer eine beängstigende Vorstellung. Denn auf diese Weise könnte sich das Konsumverhalten jedes Einzelnen bis in Details aufzeichnen und auswerten lassen. Betritt jemand den Laden, der gern Nutella ist, wird ihm gezielt Werbung für Nutella angezeigt. Auf dem Bildschirm im Eingangsbereich wird jeder Kunde mit seinem Namen begrüßt. Zu Hause kann man sich auf Knopfdruck alle Lebensmittel anzeigen lassen, die das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben.

RFID kann Leben retten

Trotz der durchaus berechtigten Datenschutzbedenken gibt es Bereiche, in denen RFID nicht nur nützlich, sondern sogar lebensrettend sein kann. Moderne Krankenhäuser kleben ihren Patienten mittlerweile sogenannte Surgi-Chips, besonders günstige RFID-Tags, auf die Haut. Mit einem Scanner können alle Informationen zum Patienten abgerufen werden. So wird nicht nur die falsche Medikation verhindert, sondern auch das möglicherweise das falsche Knie operiert oder gar das falsche Bein amputiert wird. Fehler, die immer wieder vorkommen, auch mit RFID nicht ausgeschlossen sind, aber sich doch zumindest auf ein Minimum reduzieren könnten.

Medikamentenhersteller wollen in Zukunft alle ihre Medizinverpackungen mit Microchips ausstatten und so die Fälschungsrate mindern. Das gilt auch für Hersteller von Sportartikeln. Die verbauen Chips teilweise schon in Schuhsohlen und überwachen auf diese Weise die Abnutzung.

Eintrittskarten für Messen und Skipässe sind schon seit Jahren mit Chips ausgestattet. Das macht die Abrechnung der Liftfahrten einfach. Die Chips funken selbst durch dicke Skikleidung. Außerdem können Tickets so an Personen gebunden werden und sind weniger leicht zu fälschen. Viele Nahverkehrsunternehmen setzen bereits darauf und vermindern auf diese Weise die Zahl der Schwarzfahrten. Wer keine Chipkarte hat, kommt nicht in die U-Bahnstation. Hat man eine, wird automatisch ermittelt, wo man eingestiegen und wo man ausgestiegen ist. Der Fahrtpreis wird abgebucht, ohne selbst aktiv werden zu müssen.

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Autor(in) Matthias Koprek

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