Warum die einen RFID lieben und die anderen davor warnen

RFID gehört zu den Zukunftstechnologien unserer Zeit. Während die einen vor Begeisterung kaum zu bremsen sind und so gut wie alles und jeden mit einem RFID-Chip ausstatten wollen, melden sich natürlich auch die Bedenkenträger zu Wort. In der Tat gibt es sowohl Chancen als auch Risiken. Da es rudimentär verschiedene Interessen gibt, ist letztlich die Politik gefragt Regeln und Rahmenbedingungen festzulegen, die eine für alle Beteiligten sinnvolle und gefahrenlose Nutzung von RFID ermöglichen.

Weil die Unkenntnis über die neue Technik in der breiten Bevölkerung noch groß ist, versuchen Unternehmen, die davon maßgeblich profitieren, vor allem die Chancen von RFID in den Mittelpunkt zu rücken, ohne dabei im Sinne einer ausgewogenen Informationspolitik auch die Risiken zu beleuchten. In der Tat gibt es eine Reihe vielversprechender Vorteile.

Chancen und Vorteile von RFID

Ein großer Teil der Chancen findet sich auf Ebene der Unternehmen wieder. In der Produktion und in der Logistik wird RFID bereits seit Jahren eingesetzt. Mit der Technologie kann die Lieferkette einfacher eingehalten und problemlos zurückverfolgt werden. Die Rückverfolgbarkeit von Produkten ist sowohl im B2B-Bereich, aber natürlich auch im Lebensmittelsektor ein wichtiges Thema. In der Logistik kann RFID zudem die sachgemäße Behandlung von Lieferungen sicherstellen. So kann über den Chip beispielsweise kontrolliert werden, ob die Kühlkette ordnungsgemäß eingehalten wurde.

Eine der interessantesten weil wertvollsten Chancen von RFID sind die möglichen Kosteneinsparungen in der Produktion und in der Logistik. Allein die Tatsache, dass beim Be- und Entladen von LKWs jeweils bis zu 30 Minuten Zeit gespart werden können, weil die RFID-Chips automatisch gescannt werden, statt Barcodes händisch auslesen zu müssen, macht sich in der Bilanz deutlich bemerkbar.

Verbraucherpreise könnten sinken

Solche Kosteneinsparungen sind jedoch auch im Handel möglich, wenn die Kassen und das dafür notwendige Personal wegfallen. Eine deutliche Kostenreduktion könnte sich letztlich auch im Endkundenpreis widerspiegeln. Zu günstigeren Verbraucherpreisen kann auch die Minderung der Diebstahlrate führen, die natürlich eingepreist ist. RFID-Chips sind unauffällig in der Verpackung oder in Etiketten verarbeitet und können daher Diebe abschrecken und überführen.

Letztlich darf auch der Komfortgewinn nicht vergessen werden. Das kontaktlose Bezahlen macht es für alle Beteiligten einfacher und führt im Handel vielleicht sogar zu höheren Umsätzen. Im öffentlichen Personennahverkehr oder am Skikarussell müssen wir auf nichts mehr achten. Die selbst durch Kleidung funkenden Chips übernehmen die Abrechnung der beanspruchten Leistungen vollautomatisch und zudem exakt.

Risiken und Nachteile von RFID

Genau dieses drahtlose Übermitteln von Informationen stellt aber natürlich auch ein Risiko dar. Grundsätzlich bekommt der Verbraucher von den elektronischen Vorgängen, die zwischen Sender und Empfänger stattfinden, nichts mit. Er kann also auch nicht kontrollieren, welche Daten genau ausgetauscht werden. Und natürlich kann ein RFID-Chip auch heimlich ausgelesen werden, wenn der Träger unachtsam ist und zum Beispiel keine Schutzhülle für seine Kreditkarte verwendet.

Mit einem geeigneten Scanner ist das Auslesen von Informationen nämlich nicht nur in naher Distanz möglich, sondern durchaus auch über ein paar hundert Meter hinweg. Das ist bei bestimmten Anwendungen wie in der Logistik dringend notwendig. Im Rahmen des Bezahlvorgangs jedoch eher gefährlich.

Unternehmen, die RFID-Daten sammeln und ggf. sogar weiterverkaufen, könnten Nutzungs-, Bewegungs- und Konsumprofile erstellen, die ohne das Wissen und die Zustimmung der Kunden für Marketingzwecke eingesetzt werden könnten. Ohne eine bewusste Information und Freigabe weiß der Verbraucher nicht, welche personenbezogenen Daten über ihn mittels RFID ausgelesen werden. Dritte können die auf dem Chip gespeicherten Informationen ebenfalls auslesen und theoretisch sogar verändern, ohne dass man dies mitbekommt.

Vor allem datenschutzrechtliche Bedenken

Die Bedenken bezüglich der RFID-Technologie sind also insbesondere auf datenschutzrechtlicher Seite enorm. Vor allem, wenn es zum flächendeckenden Einsatz von RFID kommt, hat der Konsument keine Wahlmöglichkeit mehr. Datenschützer fordern deshalb, dass jedes mit einem RFID-Chip ausgestattete Produkt deutlich gekennzeichnet werden muss. Und mehr noch: Es müsse darüber aufgeklärt werden, welche Informationen jeweils gesammelt und übermittelt werden. Denn schließlich sei die individuelle Zustimmung zu jedem Datenaustausch vollkommen impraktikabel und weltfremd. Besteht aber ohnehin keine Wahlmöglichkeit, weil jeder Hersteller RFID-Chips nutzt, nützt dem Verbraucher die Kennzeichnung nur wenig. Mit dem Kauf stimmt er der Datenverarbeitung automatisch zu.

Letztlich ist die Politik gefragt, Rahmenbedingungen festzulegen, um den sinnvollen Einsatz von RFID zu ermöglichen, die Bürger aber gleichzeitig vor Risiken zu schützen. Bereits 2004 wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Sicherheit in der Informationstechnik deshalb eine Studie zu den Risiken und Chancen des Einsatzes von RFID-Systemen erstellt.

Manche dieser Risiken sind heute noch gar nicht abschätzbar. Denn wenn RFID wirklich irgendwann flächendeckend eingesetzt wird, würde sich die elektromagnetische Strahlung deutlich erhöhen. Welchen Einfluss der Elektrosmog auf den menschlichen Körper hat, kann heute niemand zuverlässig sagen. Es fehlen einfach die Langzeiterfahrungen, erst recht bei dieser hohen Strahlenkonzentration.

Beitragsbild: depositphotos.com / 2981047@timbrk
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Autor(in) Matthias Koprek

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