RFID Mitarbeiterüberwachung

Weitaus mehr als die Hälfte der Unternehmen aus den USA, die mehr als 750 Millionen US-Dollar Umsatz pro Jahr machen, lassen per RFID ihre Mitarbeiter überwachen. Dank RFID-Technik ist es relativ einfach, alles zu überwachen, was die Kollegen im Büro und am PC machen. Mitarbeiter überwachen heißt in diesem Fall das Lesen der Mails und Chats. Auch die ständige Kontrolle der Computer sowie die Gesichtserkennung spielen eine Rolle für die Firmen, die ihre Mitarbeiter überwachen. Es gibt sogar Unternehmen, die statten ihre Belegschaft mit sogenannten Fitness-Trackern aus, eine ganz neue Form für alle, die Mitarbeiter überwachen wollen.

Dient die Überwachung der Produktionssteigerung?

Die Unternehmen, die ihre Mitarbeiter überwachen, tun das angeblich nur, um die Produktion zu steigern. Dazu dient ebenfalls die Überwachung mit einem Fitness-Tracker, der ständig die Schlafqualität und die Herzfrequenz der Mitarbeiter misst. Die BBC hat einen Bericht zum Thema Mitarbeiter überwachen vorgelegt, der zu denken gibt. So waren es 2015 nur rund ein Drittel der Unternehmen, die ihre Mitarbeiter überwachen. In der Regel passierte das mit der Hilfe von moderner RFID-Technologie. Im kommenden Jahr jedoch wird erwartet, dass rund 80 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeiter überwachen, ihnen noch mehr auf die Finger schauen und ihre Aktivitäten anschließend auswerten. Dieses Thema polarisiert, und zwar nicht nur diejenigen, die bereits mit einer Überwachung arbeiten müssen. Für die Unternehmen hingegen ist es unverständlich, dass sich die Mitarbeiter beschweren, die Überwachung dient nach Ansicht der Unternehmen auch dem Wohl der Kollegen.

Die entnervten Kollegen


Nicht jeder kann sich mit dem Gedanken anfreunden, dass der Arbeitgeber jeden Schritt bis ins kleinste Detail überwacht. Auch die Mitarbeiter einer britischen Bank hatten darauf keine Lust mehr. Die Mitarbeiter überwachen hatte in diesem Fall eine ganz besonders drastische Form angenommen. Jeder Tastenanschlag am Computer wurde überwacht und mit einer speziellen Software wertete die Bank jede Kleinigkeit aus. Wenn ein Kunde nach einem Gespräch oder einem Angebot nicht die Produkte der Bank in Anspruch nahm, bedeutete das noch mehr Überwachung und noch mehr Druck für die Mitarbeiter. Die totalitäre Überwachung war den meisten Mitarbeitern zu viel und sie kündigten. Es ist jedoch nicht nur die Bank in London, die ihre Mitarbeiter auf diese Weise überwacht.

Nur zum Wohl der Mitarbeiter

Die Bank verteidigt sich damit, dass die Überwachung nur zum Wohl der Mitarbeiter zum Einsatz kommt. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter überwachen, wollen einfach nur sehen, was diese Mitarbeiter leisten, zudem fördern sie die Interaktion zwischen den Kollegen. Die Bank wertet lediglich den „Datenausstoß“ der Mitarbeiter aus. Dazu braucht die Bank die Mails, die Chatprogramme sowie die Namensschilder, die einen RFID-Chip und ein Mikrofon haben. Das klingt allerdings nicht ganz glaubhaft, denn es sind nicht nur die Wege, wie die Bank die Mitarbeiter überwachen lässt, es sind auch die Details. So spielt es beispielsweise eine Rolle, in welcher Tonlage die Mitarbeiter sprechen, wenn sie mit Kunden im Kontakt sind. Damit sollen nur Mobbing und sexuelle Belästigung in der Bank bekämpft werden, sagt das Unternehmen zu seiner Verteidigung. Das ist ein sogenanntes „Fitbit für die Karriere“ und bei großen Unternehmen ist es schon lange üblich, die Mitarbeiter auf diese Weise zu überwachen.

So überwachen Unternehmen in Schweden ihre Mitarbeiter

Mitarbeiter überwachen, und zwar in Form von Namensschildern mit einem RFID-Chip ist eine Möglichkeit, für die sich die Bank in London entschieden hat. In Schweden sind die Unternehmen schon einen Schritt weiter, hier geht die Überwachung im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Das Schild mit dem RFID-Chip können die Mitarbeiter nach Feierabend ablegen. In Schweden bekommt die Belegschaft von vielen Unternehmen den RFID-Chip unter die Haut implantiert. Der Chip dient als eine Art digitale Visitenkarte und die Kontaktdaten lassen sich auf diese Weise bei einem Händedruck austauschen. Der Chip ist zudem der digitale Schlüssel für das Büro und wer in der Kantine isst, zahlt mit dem Chip unter der Haut. Viele Firmen veranstalten sogenannte „Chipping Parties“, bei denen neue Mitarbeiter den Chip von der Größe eines Reiskorns eingepflanzt bekommen.

Eine Vielzahl von Bequemlichkeiten

Der implantierte Chip ist eine logische Folge des Namensschilds mit einem RFID-Chip. Stressforscher halten das nicht generell für schlecht, denn neben der Bequemlichkeit steigt auch die Zahl der praktischen Anwendungen. Falls der Chip allerdings dazu genutzt wird, um zu überprüfen, ob ein Mitarbeiter auch die Pausenzeiten einhält, dann hat der RFID-Chip seine Aufgabe verfehlt. Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn alle Wege der Kollegen ständiger Überwachung ausgesetzt sind. Die Überwachung am Arbeitsplatz kann auch eine Frage der fehlenden Kommunikation sein. Diese Feststellung machten die Journalisten der britischen Zeitung „Telegraph“ bereits 2016. Die Redaktion der Zeitung hatte ohne Wissen der Mitarbeiter unter den Schreibtischen Bewegungs- und Hitzesensoren angebracht, laut eigener Aussage, um den Energieverbrauch optimieren zu können. In der Folge traten die Mitarbeiter in einen Streik, der 24 Stunden dauerte. Daraufhin verschwanden die Sensoren wieder. Hier hat sich gezeigt, wie wichtig die Kommunikation zwischen dem Unternehmen und den Mitarbeitern ist.

Viele Mitarbeiter sehen auch Vorteile

Nicht viele, aber immerhin einige Mitarbeiter sehen Vorteile darin, wenn ihr Arbeitgeber sie überwacht. In Australien lebt eine Frau, die unter Narkolepsie leidet. Diese Krankheit lässt sie unvermittelt einschlafen und wenig später völlig desorientiert wieder aufwachen. Die Erkrankung betrifft sowohl ihr Erinnerungsvermögen als auch ihre Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Die junge Frau ist aufgrund dessen froh, dass ihr Arbeitgeber, eine große Versicherung, sie mittels RFID-Chip überwacht. Nach einem Anfall war es für die Frau einfacher, sich wieder einzuarbeiten, weil das, was sie zuletzt am PC gemacht hat, aufgezeichnet wurde.

Fazit

Wenn Unternehmen Mitarbeiter überwachen, befinden sie sich nicht selten in einer arbeitsrechtlichen Grauzone. Nicht immer sind diese Überwachungsmaßnahmen auch wirklich mit dem Gesetz zu vereinbaren. Inwiefern es in Deutschland schon eine gezielte Überwachung am Arbeitsplatz gibt, darüber gibt es bis jetzt nur Schätzungen. In Ländern mit weniger strengen Gesetzen wie den USA oder auch England, nutzen hingegen immer mehr Unternehmen die moderne RFID-Technik, um alles über ihre Mitarbeiter zu erfahren. Vielfach haben die Mitarbeiter keine Chance, sich gegen die permanente Überwachung zu wehren, oft bleibt ihnen nur die Kündigung. Arbeitsforscher sehen in der lückenlosen Überwachung am Arbeitsplatz ein Modell für die Zukunft, was noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Beitragsbild: depositphotos.com / 211497028 @ nirutdps

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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